Dieser Garten folgt einigen klaren Grundsätzen. Sie sind nicht als starres Regelwerk gemeint, sondern als Orientierung für Entscheidungen im Alltag. Bei 2.500 Quadratmetern und sehr unterschiedlichen Teilflächen muss man ständig abwägen. Genau dabei helfen mir diese Leitlinien.

Der erste Grundsatz ist: möglichst hohe Biodiversität. Das bedeutet in der Praxis, strukturreiche Flächen mit unterschiedlichen Lebensräumen aufzubauen, heimische Gehölze einzusetzen und Pflanzungen so zu entwickeln, dass sie über lange Zeit für Insekten, Vögel und andere Tiere nutzbar bleiben. Biodiversität ist für mich kein Dekor, sondern ein funktionaler Kern des Gartens.

Der zweite Grundsatz ist: vegan gärtnern. Ich möchte keine Nachfrage nach Produkten aus der Massentierhaltung erzeugen, also zum Beispiel nicht nach Hornspänen oder Hornmehl. Aus meiner Sicht ist es für Tiere und Umwelt sinnvoller, bei Stickstoffbedarf gezielt mineralisch zu arbeiten, statt den Umweg über tierische Nebenprodukte zu gehen. Als organischen Dünger verwende ich ausschließlich Kompost aus Komposttoiletten, also Nährstoffe aus einem Kreislauf mit menschlichen Tieren, die in unserem Haushalt artgerecht leben.

Der dritte Grundsatz ist: torffrei arbeiten. Ich verwende keine torfhaltigen Anzucht- oder Blumenerden. Für mich ist das ein wichtiger Beitrag zum Moorschutz, weil Moore zentrale Kohlenstoffspeicher sind und gleichzeitig sehr wertvolle Lebensräume. Torffreie Substrate funktionieren, aber sie verlangen ein sauberes Nährstoffmanagement. Deshalb ist die gezielte Düngung bei Jungpflanzen in meinem System besonders wichtig. Die konkrete Praxis dazu habe ich im Kapitel Düngung von Jungpflanzen zusammengefasst.

Der vierte Grundsatz ist: möglichst geringe CO2-Emissionen pro Ergebnis. Das betrifft nicht nur die Wahl von Materialien, sondern auch die Frage, wie oft ich Flächen neu bearbeite, welche Mengen transportiert werden müssen und ob eine Methode dauerhaft trägt oder in kurzer Zeit erneut Arbeit verursacht. Für mich ist eine Lösung dann gut, wenn sie ökologisch belastbar ist, in der Fläche funktioniert und langfristig wiederholbare Ergebnisse liefert.

Diese vier Grundsätze greifen ineinander. Genau deshalb tauchen sie in mehreren Kapiteln wieder auf: bei Staudenbeeten im Bestand, bei Düngung, bei Flächenentwicklung und bei der praktischen Pflege.