Pflanzgruppen für große Staudenbeete

Konzept: Große Beetflächen (100+ m²) zwischen Haus und Gartenzaun werden in “Wolken” von jeweils 4-6 m² aufgeteilt. Jede Wolke besteht aus einer Pflanzgruppe — einer Kombination aus Gras (als Matrix oder Strukturelement) und 1-2 Stauden. Die Wolken wechseln sich ab, sodass beim Durchlaufen ein abwechslungsreiches, naturnahes Bild entsteht.

Prinzipien

Matrix-Pflanzung (Matrixpflanzung)

Bei der Matrixpflanzung bildet ein Gras eine durchgehende Grundschicht (die “Matrix”), in die Stauden eingestreut werden. Das Gras wirkt als lebende Mulch- schicht, unterdrückt Unkraut und gibt dem Beet Struktur — auch im Winter.

Geeignete Matrixgräser aus dem Bestand:

Strukturgräser (als Akzente in Wolken):

Empfohlenes Mischverhältnis

  • 60-70% Gras (Matrix) + 30-40% Stauden (Feature-Pflanzen)
  • Pro Wolke: 9-12 Pflanzen pro m² (als Plugs/kleine Töpfe)
  • Bei 5 m² Wolke: ca. 30-35 Gräser + 15-20 Stauden

Wolken-Pflanzung

Die einzelnen Pflanzgruppen werden als große, organische Formen (“Wolken”) ins Beet gesetzt. An den Übergängen zwischen zwei Wolken werden die Pflanzen über 1-2 m Breite gemischt, sodass die Bereiche ineinander übergehen.


Pflanzgruppe 1: “Sommerwiese”

Charakter: Luftig, prärieähnlich, warme Töne

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixStipa tenuissima40 cmgrün-goldJul-Aug
FeatureAgastache foeniculum70 cmblauJul-Aug
FeatureKnautia macedonica100 cmweinrotJun-Sep

Warum es funktioniert: Die duftigen Stipa-Halme wiegen sich im Wind und bilden einen goldenen Schleier, aus dem die aufrechten blauen Agastache-Kerzen und die weinroten Knautia-Köpfe herausragen. Blau und Weinrot ergeben einen klassischen Komplementärkontrast. Alle drei Pflanzen lieben trockene bis normale, sonnige Standorte.

Pflanzschema (5 m²): 30x Stipa + 10x Agastache + 8x Knautia, durcheinander gemischt.


Pflanzgruppe 2: “Herbstfeuer”

Charakter: Warm, dramatisch, hohe Herbstblüte

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixPennisetum alopecuroides80 cmbraun-lilaAug-Dez
FeatureHelenium autumnale150 cmrot-gelbAug-Okt
FeatureAster novae-angliae150 cmrosa-pinkSep-Okt

Warum es funktioniert: Der Herbst explodiert in Farbe: Die rot-gelben Sonnenbraut-Blüten und die rosa Astern leuchten über dem kupferfarbenen Pennisetum. Alle drei blühen im Spätsommer und Herbst und sorgen für ein Feuerwerk an Farbe, wenn der Rest des Gartens schon nachlässt.

Pflanzschema (5 m²): 25x Pennisetum + 8x Helenium + 8x Aster, Gräser gleichmäßig, Stauden in kleinen Tuffs von 3-4.


Pflanzgruppe 3: “Mondschein”

Charakter: Elegant, leuchtend, weiß-silbrig, abends besonders schön

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixCalamagrostis brachytricha80 cmsilber-rosaSep-Dez
FeatureGaura lindheimeri120 cmweiß-rosaMai-Okt
FeatureAgastache rugosa ‘Alba’70 cmweißJul-Aug

Warum es funktioniert: Ein komplett weißes Thema mit silbrigen Grasrispen. Die Gaura tanzt wie Schmetterlinge über dem Calamagrostis, während die weiße Agastache aromatisch duftet. Besonders abends und bei Mondlicht ein Hingucker. Calamagrostis ist eines der wenigen Gräser, das auch im Halbschatten gedeiht.

Pflanzschema (5 m²): 25x Calamagrostis + 10x Gaura + 10x Agastache, durcheinander gemischt.


Pflanzgruppe 4: “Prärietraum”

Charakter: Strukturstark, architektonisch, rotes Laub als Kontrast

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
StrukturMiscanthus oligostachyus120 cmsilbrigJul-Sep
FeaturePenstemon digitalis ‘Husker Red’100 cmweiß (rotes Laub)Jul-Aug
FeatureVeronica longifolia80 cmblauJul-Sep

Warum es funktioniert: Die drei Pflanzen bilden eine klare Höhenstaffelung. Das dunkelrote Laub des Penstemon setzt einen dramatischen Kontrast zu den blauen Veronica-Ähren und den silbrigen Miscanthus-Halmen. Weiß + Blau + Rot (Laub) ist eine klassische, ruhige Farbkombination.

Pflanzschema (5 m²): 5x Miscanthus (als Horste verteilt) + 12x Penstemon

  • 12x Veronica, Stauden in Blöcken zwischen den Gräserhorsten.

Pflanzgruppe 5: “Blaue Stunde”

Charakter: Kühl, beruhigend, monochromatisch blau

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixStipa tenuissima40 cmgrün-goldJul-Aug
FeatureVeronica longifolia80 cmblauJul-Sep
FeatureHyssopus officinalis70 cmblauJun-Aug

Warum es funktioniert: Blau in verschiedenen Schattierungen — von den tiefen Veronica-Ähren über die lavendelblauen Ysop-Blüten bis zum goldgrünen Stipa-Schleier. Eine meditative, beruhigende Kombination. Ysop ist außerdem bienenfreundlich und duftet aromatisch.

Pflanzschema (5 m²): 30x Stipa + 10x Veronica + 10x Hyssopus, gleichmäßig durchmischt.


Pflanzgruppe 6: “Sternenreigen”

Charakter: Zart, sternförmige Blüten, romantisch

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixPennisetum alopecuroides80 cmbraun-lilaAug-Dez
FeatureAster ericoides100 cmweißAug-Okt
FeatureAstrantia major85 cmweiß-rosaMai-Aug

Warum es funktioniert: Die winzigen Sternblüten der Myrten-Aster bilden eine weiße Wolke über dem Gras, während die markanten Sterndolden der Astrantia einen anderen Sterncharakter einbringen. Beide haben eine leichte, luftige Anmutung. Astrantia blüht früher (Mai-Aug), die Aster übernimmt dann nahtlos (Aug-Okt) — Blüte von Mai bis Oktober.

Pflanzschema (5 m²): 25x Pennisetum + 10x Aster + 8x Astrantia, durcheinander gemischt.


Pflanzgruppe 7: “Herbstzauber”

Charakter: Spätblühend, reich an Farbe, elegant

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
MatrixCalamagrostis brachytricha80 cmsilber-rosaSep-Dez
FeatureAnemone japonica100 cmrosa-weißAug-Okt
FeatureAster novi-belgii150 cmblau-violettAug-Sep

Warum es funktioniert: Eine Herbstkombination der Extraklasse. Die zarten Anemonenblüten schweben über dem silbrig-rosa Calamagrostis, während die kräftig violetten Astern Höhe und Farbe bringen. Rosa + Violett + Silber ist eine klassische Herbstharmonie. Anemone japonica verträgt auch Halbschatten.

Pflanzschema (5 m²): 25x Calamagrostis + 10x Anemone + 6x Aster, Anemonene in Tuffs, Astern als Akzente.


Pflanzgruppe 8: “Sonnentanz”

Charakter: Hell, kontrastreich, lebhaft

RollePflanzeHöheFarbeBlütezeit
StrukturMiscanthus oligostachyus120 cmsilbrigJul-Sep
FeatureVerbena bonariensis100 cmviolettJul-Okt
FeatureEchinacea Paradiso100 cmbunt (rot, rosa, gelb)Jul-Okt

Warum es funktioniert: Die transparenten Verbena-Stiele schweben auf Augenhöhe und lassen den Blick durch, während die kräftigen Echinacea-Blüten Farbtupfer setzen. Miscanthus gibt dem Ganzen Halt und Struktur. Eine lebhafte, einladende Kombination, die Schmetterlinge und Bienen anzieht.

Pflanzschema (5 m²): 5x Miscanthus (als Horste) + 10x Verbena + 10x Echinacea, Stauden um die Grashorste herum.


Beispielhafte Beetplanung (ca. 100 m²)

So könnte ein langes Beet zwischen Haus und Zaun aussehen, bestehend aus abwechselnden Wolken:

Beetplanung mit PflanzgruppenHAUSZAUNSommerwieseGruppe 1HerbstfeuerGruppe 2MondscheinGruppe 3Blaue StundeGruppe 4HerbstzauberGruppe 5SternenreigenGruppe 6PrärietraumGruppe 7SonnentanzGruppe 8SommerwieseGruppe 1MondscheinGruppe 3

Hover/Tap auf eine Wolke, um die Pflanzen zu sehen. Einige Gruppen werden wiederholt, um Rhythmus zu erzeugen.

Einige Gruppen werden wiederholt, um Rhythmus und Zusammenhalt zu erzeugen. Die hohen Gruppen (Herbstfeuer, Herbstzauber, Sonnentanz) kommen eher in die Mitte oder nach hinten, die niedrigen (Sommerwiese, Blaue Stunde) nach vorne.


Blütezeit-Übersicht

PflanzgruppeAprMaiJunJulAugSepOktNov
1 Sommerwiese✿✿✿✿
2 Herbstfeuer✿✿✿✿✿✿
3 Mondschein✿✿✿✿
4 Prärietraum✿✿✿✿
5 Blaue Stunde✿✿✿✿
6 Sternenreigen✿✿✿✿
7 Herbstzauber✿✿✿✿
8 Sonnentanz✿✿✿✿✿✿

✿ = Blüte, ✿✿ = Hauptblüte

Das Beet hat von Mai bis Oktober durchgehend blühende Bereiche. Die Gräser sorgen zusätzlich von November bis Februar für Winterstruktur.


Pflanzbedarf-Schätzung (100 m²)

Bei ca. 10 Wolken à 5-6 m² und 10 Pflanzen pro m²:

PflanzeGeschätzte Stückzahl
Stipa tenuissima60-80
Pennisetum alopecuroides50-60
Calamagrostis brachytricha50-60
Miscanthus oligostachyus10-15
Agastache foeniculum15-20
Agastache rugosa ‘Alba’15-20
Knautia macedonica10-15
Helenium autumnale10-15
Aster novae-angliae10-15
Aster novi-belgii8-12
Aster ericoides10-15
Gaura lindheimeri15-20
Veronica longifolia15-25
Hyssopus officinalis10-15
Penstemon digitalis ‘Husker Red’15-20
Astrantia major10-15
Anemone japonica10-15
Verbena bonariensis10-15
Echinacea Paradiso10-15
Gesamtca. 350-450

Hinweise zum Matrixpflanzung-Konzept

Die echte Matrixpflanzung (nach Nigel Dunnett, Piet Oudolf, Thomas Rainer) funktioniert am besten mit niedrigen Gräsern als “lebender Mulch”. Von den vorhandenen Gräsern eignen sich dafür am besten:

  1. Stipa tenuissima — der Klassiker für trockene, sonnige Matrix- Pflanzungen. Bildet eine dichte, wellige Textur auf 40 cm.
  2. Pennisetum alopecuroides — für herbstbetonte Pflanzungen. Dichter Wuchs, gute Bodenbedeckung.
  3. Calamagrostis brachytricha — besonders wertvoll, weil auch halbschattenverträglich.

Die größeren Miscanthus-Arten sind keine Matrixgräser, sondern Strukturpflanzen. Sie werden als einzelne Horste oder kleine Gruppen in die Wolke gesetzt, nicht als flächige Matrix.

Pflanzabstand in der Matrix

  • Stipa tenuissima: 25-30 cm Abstand (ca. 11-16 pro m²)
  • Pennisetum alopecuroides: 40-50 cm Abstand (ca. 4-6 pro m²)
  • Calamagrostis brachytricha: 40-50 cm Abstand (ca. 4-6 pro m²)
  • Stauden (Features): zwischen die Gräser einstreuen, je nach Art 30-50 cm Abstand

Empfohlene Gräser zum Nachkaufen

Die vorhandenen Gräser (Stipa, Pennisetum, Calamagrostis, Miscanthus) sind ein guter Anfang, aber für eine abwechslungsreiche Matrixpflanzung lohnt es sich, das Sortiment zu erweitern. Diese Gräser haben sich in naturalistischen Pflanzungen bewährt:

Für frische bis feuchte Standorte (Lössboden)

GrasHöheWarum geeignet
Deschampsia cespitosa (Rasen-Schmiele)60-80 cmLuftige, transparente Rispen. Auch für Halbschatten und feuchte Standorte. Von Oudolf viel verwendet.
Molinia caerulea (Kleines Pfeifengras)40-60 cmFiligrane Halme, leuchtende Herbstfärbung. Sorten: ‘Edith Dudzus’, ‘Moorhexe’.
Molinia arundinacea ‘Transparent’ (Hohes Pfeifengras)150-200 cmHohe, transparente Rispen. Ideale Strukturpflanze, die den Blick durchlässt. Petra Pelz’ Favorit.
Carex morrowii (Japan-Segge)30-40 cmImmergrüne Matrix für schattige Bereiche. Einzige echte Schattenmatrix-Option.

Bezugsquellen-Tipp

Für günstige Großmengen Gräser als Plugs (kleine Töpfe) bestellen — das spart bei Matrixpflanzungen erheblich. Spezialgärtnereien wie Gräfin von Zeppelin, Staudengärtnerei Gaißmayer oder die Staudengärtnerei Stade bieten Stauden und Gräser in guter Qualität.


Tipps für Erweiterungen

Frühblüher-Schicht einarbeiten

In die Matrix lassen sich Geophyten (Zwiebelpflanzen) einstreuen, die im Frühling blühen, bevor die Gräser austreiben:

  • Crocus tommasinianus — verwildert zuverlässig in der Grasmatrix
  • Narcissus poeticus — natürlich wirkend, passt zur Prärieästhetik
  • Camassia leichtlinii — blüht Mai/Juni, exzellent zwischen Gräsern
  • Allium sphaerocephalon — blüht im Sommer zwischen den Gräserhalmen

Winterstruktur verbessern

Für visuelles Interesse von November bis März:

  • Gräser nicht im Herbst zurückschneiden, sondern erst im März
  • Echinacea-Samenstände stehen lassen (Vögel fressen die Samen)
  • Miscanthus-Fahnen wirken besonders schön mit Raureif
  • Ergänzend immergrüne Stauden einstreuen: Bergenia, Helleborus

Pflanzung im Laufe der Jahre optimieren

  • Jahr 1: Lücken sind normal, mit einjährigen Blumen (Cosmos, Ammi majus) füllen
  • Jahr 2-3: Matrix schließt sich, Unkrautdruck nimmt ab
  • Ab Jahr 4: Zu dominante Pflanzen auslichten, schwächere nachpflanzen
  • Selbstaussaat nutzen: Verbena bonariensis, Knautia und Gaura säen sich gerne selbst aus — das verstärkt den natürlichen Charakter

Farbthemen weiterentwickeln

  • Hot Border: Gruppe 2 (Herbstfeuer) + 8 (Sonnentanz) nebeneinander für ein warmes, lebhaftes Band
  • Cool Border: Gruppe 3 (Mondschein) + 5 (Blaue Stunde) für beruhigende Wirkung
  • Dramatischer Kontrast: Gruppe 4 (Prärietraum) neben Gruppe 1 (Sommerwiese) — dunkelrotes Laub trifft auf goldene Stipa

Quellen und weiterführende Literatur

Bücher

  • Nigel Dunnett: Naturalistic Planting Design: The Essential Guide (Filbert Press, 2019) — Das Standardwerk zur Matrixpflanzung. Dunnett beschreibt das Prinzip der 60-70% Strukturpflanzen (Matrix) und 30-40% saisonaler Füllpflanzen. Amazon
  • Thomas Rainer & Claudia West: Planting in a Post-Wild World (Timber Press, 2015) — Designed plant communities mit Matrixschicht (50% Bodendecker), Themenpflanzen (25-40%) und Strukturpflanzen (10-15%). thomasrainer.com
  • Piet Oudolf & Noel Kingsbury: Planting: A New Perspective (Timber Press, 2013) — Die 70/30-Regel: 70% Strukturpflanzen, 30% Füllpflanzen. Grundlage vieler moderner Staudenpflanzungen.

Fachartikel und Blogposts

Referenzgärten

  • Barbican Beech Gardens, London — Nigel Dunnetts Matrixpflanzung mit Sesleria nitida als durchgehender Grundschicht. Gardens Illustrated
  • Lurie Garden, Chicago — Piet Oudolfs Pflanzung mit Sporobolus heterolepis und Deschampsia als Matrix.
  • High Line, New York — Oudolfs berühmtestes Projekt mit naturalistischer Gräsermatrix.