Kommentar: Wie Bürgermeisterin Dombrowski die Gemeinde beschädigt

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Levin Keller

Kommentar: Wie Bürgermeisterin Dombrowski die Gemeinde beschädigt

Am Abend des 17. März wurde ich im Rathaus Nordstemmen Zeuge eines deprimierenden Vorgangs. Bürgermeisterin Nicole Dombrowski hatte dem Rat die Wiederwahl des Ersten Gemeinderates Marcus Tischbier zur Abstimmung vorgelegt — und ist damit krachend gescheitert. Was als Routinevorgang hätte ablaufen können, wurde zu einer öffentlichen Demütigung eines langjährigen Verwaltungsbeamten und zu einem Offenbarungseid der Bürgermeisterin.

Eine vermeidbare Niederlage

Nach § 109 Abs. 1 NKomVG ist die Stelle eines kommunalen Wahlbeamten grundsätzlich öffentlich auszuschreiben. Die Wiederwahl des Amtsinhabers ohne Ausschreibung bildet eine Ausnahme, die einen Beschluss der Vertretung im Einvernehmen mit der Bürgermeisterin erfordert.1 Wer als Bürgermeisterin eine solche Wiederwahl anstrebt, muss also vorher wissen, dass die Mehrheit steht. Es wäre Frau Dombrowskis ureigenste Aufgabe gewesen, die Fraktionen im Vorfeld abzutasten. Und sobald klar wird, dass die Mehrheit für den Amtsinhaber auch nur wackelt, hätte sie die Entscheidung vertagen oder die Neuausschreibung vorschlagen und Herrn Tischbier die Möglichkeit geben müssen, gesichtswahrend und still eine neue Position zu finden.

Das wäre Führungsstärke gewesen: den eigenen Mitarbeiter vor einer öffentlichen Demütigung bewahren, ihm einen würdevollen Abgang ermöglichen, und ihn sich selbst einen anderen Job suchen lassen. Für einen Beamten, der acht Jahre lang pflichtbewusst seinen Dienst getan hat, wäre das das Mindeste gewesen.

Frau Dombrowski hat das Gegenteil getan. Sie hat Herrn Tischbier sehenden Auges in eine Abstimmung geschickt, die er nur verlieren konnte. Schlimmer noch: Sie hat in der Sitzung ein Plädoyer für ihn gehalten — wie hervorragend seine Arbeit sei, welch schweren Fehler der Rat begehe — und damit die Entscheidung zu einem persönlichen Urteil über den Menschen Tischbier gemacht. Für Herrn Tischbier muss diese öffentliche Demütigung schwer zu ertragen gewesen sein. Frau Dombrowski hat ihn unter den Bus geworfen.

Der Rat darf frei entscheiden

Das Gesetz sieht vor, dass der Rat frei entscheiden darf, ob er die Stelle neu ausschreibt oder den Amtsinhaber bestätigt. Die Neuausschreibung ist der gesetzliche Standardmodus, die Wiederwahl ohne Ausschreibung die Ausnahme — auf die Neuausschreibung kann sich auch der Amtsinhaber wieder bewerben. Sechs Monate vor der Kommunalwahl die Wiederwahl des Ersten Gemeinderates nicht vorwegzunehmen, ist nicht nur legitim, sondern vernünftig — immerhin muss dieser auch mit einem neuen Bürgermeister gut zusammenarbeiten können.

Herr Tischbier wusste, dass er eine Position bekleidet, die nach acht Jahren neu ausgeschrieben wird. Er hätte das sicherlich auch problemlos akzeptiert — wenn die Bürgermeisterin ihm nicht das Gefühl gegeben hätte, er habe so etwas wie einen moralischen Anspruch auf diese Stelle.

Frau Dombrowski hat es genau umgekehrt dargestellt: als sei die Wiederwahl der Normalfall und die Neuausschreibung ein Affront. Mit ihrem Plädoyer, nach dem Motto: Das können Sie mit diesem Mann doch nicht machen, hat sie versucht, dem Rat ein schlechtes Gewissen zu machen und ihn davon abzuhalten, von seinem verfassungsrechtlich geschützten Handlungsspielraum Gebrauch zu machen. Das offenbart ein zutiefst problematisches Verständnis davon, was der Rat eigentlich ist.

Frau Dombrowski scheint den Rat nur akzeptieren zu können, wenn er ihrer Meinung folgt. Entscheidet er anders, wird er belehrt und vor seinen angeblichen Fehlern bewahrt. Dass der Rat als demokratisch gewähltes Organ eigenständig und souverän funktioniert — diese Vorstellung scheint bei der Bürgermeisterin nicht verankert zu sein.

Mitarbeiter als politische Instrumente

Das Vorgehen wirkt weit über die Sitzung hinaus in die Verwaltung hinein. Frau Dombrowski hat ein Narrativ geschaffen: Wir — die Verwaltung und die Bürgermeisterin — stehen gemeinsam gegen den Rat.

Das ist gefährlich. Denn das Amt der Bürgermeisterin ist ein politisches Amt, das nur auf Zeit vergeben wird. Dass eine Amtszeit wieder endet, ist ein wichtiger Teil unserer Demokratie. Die Verwaltungsmitarbeiter hingegen sind nicht politisch. Sie dienen der Gemeinde unabhängig davon, wer gerade Bürgermeister ist. Es ist nicht ihre Aufgabe, für die Bürgermeisterin politisch einzustehen, und es ist nicht die Aufgabe der Bürgermeisterin, sie für einen politischen Kampf einzuspannen, den sie nicht zu führen brauchen.

An der zahlreichen Teilnahme von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern an der Sitzung war zu erkennen, wie verunsichert die Belegschaft ist. Frau Dombrowski verbindet ihr eigenes politisches Schicksal mit dem ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und setzt sie damit unnötigem politischen Druck aus. Die Mitarbeitenden sind in einen politischen Machtkampf hineingezogen worden, in dem sie nichts zu suchen haben.

Es wäre wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses wieder Vertrauen fassen, dass ihr eigenes berufliches Schicksal nicht mit dem der Bürgermeisterin oder dem politischer Wahlbeamter verknüpft ist.

Eine Verwaltungsbeamtin, keine Politikerin

Hier liegt der Kern des Problems. Nicole Dombrowski ist parteilos.2 Sie hat deshalb keinen heißen Draht in den Rat, zum Beispiel über die Fraktion ihrer eigenen Partei, und auch keine Erfahrung im politischen Tagesgeschäft und der Mehrheitsfindung in politischen Gremien. Frau Dombrowski hat es nie geschafft, sich von ihrer Rolle als Verwaltungsmitarbeiterin zu lösen, als sie das Amt der Bürgermeisterin übernahm.3 Das war absehbar — und es war ein Fehler, eine Verwaltungsmitarbeiterin zur Bürgermeisterin zu machen.

Ein Bürgermeister muss das Bindeglied sein zwischen Rat und Verwaltung. Er muss beide Seiten verstehen, moderieren, zusammenführen. Wer sich stattdessen als Teil der Verwaltung begreift und den Rat als Gegenspieler, hat die Aufgabe grundlegend missverstanden.

Der Schuss ging nach hinten los

Frau Dombrowski fürchtet um ihre Wiederwahl, und das aus guten Gründen. Doch statt sich vor ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stellen und politische Brücken zu bauen, macht sie sie zu Bauernopfern in politischen Machtkämpfen. Der Schuss ist nach hinten losgegangen. Die Kollateralschäden sind erheblich: ein gedemütigter Erster Gemeinderat, eine vergiftete Atmosphäre zwischen Rat und Verwaltung, eine Bürgermeisterin, die ihr politisches Scheitern öffentlich dokumentiert hat.

Nicole Dombrowski hinterlässt der Gemeinde Nordstemmen zunehmend eine beschädigte Verwaltungslandschaft. Wer auch immer nach der Kommunalwahl im September das Amt übernimmt, wird viel Aufbauarbeit leisten müssen — vor allem in Bezug auf die Mitarbeitenden. Sie sind die eigentlichen Leidtragenden. Die meisten von ihnen machen hervorragende Arbeit, die für die Menschen in der Gemeinde unheimlich wichtig ist. Es ist entscheidend, dass sie diese Arbeit in Ruhe und mit dem Gefühl von Sicherheit tun können — nicht drangsaliert, nicht öffentlich gedemütigt, nicht in politische Machtkämpfe hineingezogen. Das hält auf Dauer niemand aus, und es macht das Rathaus als Arbeitsplatz unattraktiv.

Umso wichtiger ist es, dass die Bürgerinnen und Bürger Nordstemmen im Herbst eine Persönlichkeit wählen, die das politische Handwerk versteht. Nordstemmen braucht einen Politiker als Bürgermeister, keinen Beamten. Jemanden, der den Rat nicht als Gegenspieler begreift, sondern als das, was er ist: der demokratische Souverän der Gemeinde. Jemanden, der Kompromisse schmiedet, statt Machtkämpfe zu inszenieren.


Levin Keller ist Mitglied der CDU in Nordstemmen.


Leserbrief an die LDZ (veröffentlicht am 25. März 2026)

Zum Bericht „Tischbiers Amtszeit wird nicht verlängert” (LDZ, 19. März 2026)

Beim Lesen des Artikels könnte der Eindruck entstehen, der Rat habe planlos und zum Schaden der Gemeinde gehandelt. Tatsächlich ist es die Bürgermeisterin, die verantwortungslos gehandelt hat.

Sechs Monate vor der Kommunalwahl die Wiederwahl des Ersten Gemeinderates nicht vorwegzunehmen, ist vernünftig — immerhin muss dieser auch mit einem neuen Bürgermeister gut zusammenarbeiten können.

Außerdem hätte Frau Dombrowski vor der Sitzung klären müssen, ob eine Mehrheit für die Wiederwahl steht. Im Zweifel hätte sie die Entscheidung vertagen oder die Neuausschreibung vorschlagen können. Beides hätte Herrn Tischbier geschützt. Stattdessen hat sie versucht, dem Rat ihren Willen aufzuzwingen — mit einem öffentlichen Plädoyer, das die Entscheidung zu einem persönlichen Urteil über ihren Mitarbeiter machte. Bei diesem riskanten Manöver nahm sie in Kauf, dass Herr Tischbier bei einem Scheitern schwer beschädigt wird. Dass der Rat seinen verfassungsrechtlich geschützten Handlungsspielraum nicht auf diese Weise einschränken lässt, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen.

Die Folgen reichen über Herrn Tischbier hinaus. An der zahlreichen Teilnahme von Verwaltungsmitarbeiter

an der Sitzung war zu erkennen, wie verunsichert die Belegschaft ist. Frau Dombrowski verbindet ihr eigenes politisches Schicksal mit dem ihrer Mitarbeiter
und setzt sie damit unnötigem politischen Druck aus. Eine gute Bürgermeisterin würde sich vor ihre Mitarbeiter
stellen und diese nicht zu Bauernopfern in politischen Machtkämpfen machen.

Levin Keller, Rössing (Mitglied der CDU)

Footnotes

  1. Der Erste Gemeinderat ist ein Beamter auf Zeit nach § 108 Abs. 2 NKomVG, der als allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin fungiert. Die Wahl erfolgt auf Vorschlag der Bürgermeisterin durch den Rat für eine Amtszeit von acht Jahren. Die Stelle ist grundsätzlich öffentlich auszuschreiben; ein Verzicht auf die Ausschreibung zugunsten einer Wiederwahl erfordert einen Beschluss der Vertretung im Einvernehmen mit der Bürgermeisterin (§ 109 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1 NKomVG).

  2. Dombrowski kandidierte 2020 als parteilose Einzelbewerberin, nachdem sie zuvor ihr Parteibuch abgelegt hatte. Sie gewann die Stichwahl am 27. September 2020 mit 53,27 % gegen den SPD-Kandidaten Gerald Ludewig.

  3. Dombrowski arbeitet seit 1990 in der Gemeindeverwaltung Nordstemmen. Sie absolvierte dort ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, wurde 2010 Verwaltungsfachwirtin und war ab 2016 stellvertretende Leiterin des Fachbereichs 2 (Sicherheit, Einwohnerservice, Bildung & Soziales) — also über 30 Jahre Verwaltungsmitarbeiterin in genau der Verwaltung, deren Chefin sie dann wurde.