Ausstieg aus Biogas

In Diskussionen über die Zukunft von Biogas höre ich regelmäßig den Einwand, ein Ausstieg sei nicht möglich, ohne die lokale Landwirtschaft zu zerstören oder ganze Regionen in Schwierigkeiten zu bringen. Dieses Dokument soll zeigen, dass das nicht stimmt. Der Ausstieg ist nicht nur wünschenswert, sondern praktisch unkompliziert – man muss einfach die Subventionen auslaufen lassen.

Warum Biogas ökologisch problematisch ist, habe ich im Vergleich alternativer Energiequellen aufgeschrieben. Hier geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie.

Die Subventionen laufen ohnehin aus

Das EEG sieht eine feste Vergütung über typischerweise 20 Jahre vor. Danach gibt es keinen Anspruch auf Verlängerung. Das war von Anfang an so, das stand in jedem Vertrag, und jeder Anlagenbetreiber wusste das. Es braucht also gar keinen aktiven politischen Eingriff – man muss schlicht davon absehen, eine Anschlussförderung einzuführen. Der Ausstieg passiert von selbst, wenn die Politik ihn nicht künstlich verhindert.

„Ohne Förderung gehen die Betriebe pleite”

Die Anlagen hatten 20 Jahre garantierte Einnahmen. In dieser Zeit waren die Investitionen in aller Regel amortisiert. Wer danach noch Schulden hat, hat entweder Gewinne entnommen statt zu tilgen, oder er hat auf eine Anschlussförderung spekuliert. Beides ist kein gesellschaftliches Problem, sondern ein individuelles unternehmerisches Risiko. Landwirtschaftliche Betriebe, die Biogas als zweites Standbein betreiben, verlieren ein Zubrot – nicht ihre Existenzgrundlage. Ihr Hauptgeschäft ist und bleibt die Landwirtschaft.

„Die lokale Wärmeversorgung bricht zusammen”

Viele Biogasanlagen speisen Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk in lokale Wärmenetze ein. Das klingt nach einem wichtigen Beitrag zur Infrastruktur, ist aber im Kern eine Quersubvention: Die Wärme fällt nur an, weil der Strom per EEG gefördert wird. Die günstigen Wärmepreise sind nicht Ausdruck von Effizienz, sondern davon, dass die Stromseite die Kosten trägt. Wenn die Förderung endet, muss die Wärmeversorgung neu organisiert werden. Das ist kein Drama, sondern normaler Strukturwandel. Wärmepumpen, Solarthermie oder kommunale Wärmenetze mit anderen Quellen sind technisch ausgereift und wirtschaftlich tragfähig. Gemeinden, die sich rechtzeitig damit beschäftigen, stehen am Ende besser da als vorher.

„Die Landwirte verlieren Pachteinnahmen und Absatzmärkte”

Landwirte, die heute Energiemais für Biogasanlagen anbauen, bekommen dafür Pachteinnahmen oder Abnahmepreise. Das stimmt. Aber diese Einnahmen existieren nur, weil der Staat sie über die EEG-Umlage finanziert. Fällt die Förderung weg, verschwindet der Absatzmarkt für Energiemais. Die Flächen werden frei – für Nahrungsmittelproduktion, für Naturschutz, für andere Nutzungen. Und genau das ist der Punkt: Flächen, die heute für die ineffizienteste Form der Stromerzeugung blockiert sind, stehen wieder zur Verfügung. Landwirte können auf diesen Flächen Lebensmittel anbauen oder Blühstreifen anlegen.

„Das überfordert die Region”

Eine Gemeinde wie Nordstemmen hat laut dem Avacon-Energiemonitor einen Gesamtstromverbrauch von rund 40 GWh pro Jahr. Ein erheblicher Teil der lokal erzeugten „erneuerbaren” Energie kommt heute aus Biogas. Aber ein einziges modernes Windrad liefert unter guten Bedingungen etwa 15 GWh pro Jahr – auf einem halben Hektar Grundfläche, während die Fläche drumherum weiter landwirtschaftlich genutzt werden kann. Um die Biogaskapazität zu ersetzen, braucht es also nicht viel. Zwei bis drei Windräder ersetzen sämtliche Biogasanlagen der Gemeinde und liefern dabei saubereren, billigeren Strom. Die Region wird nicht überfordert – sie wird entlastet.

„Man kann doch nicht einfach eine ganze Branche abschalten”

Kann man nicht nur, man hat es schon oft getan. Steinkohle, Braunkohle, Atomkraft – Deutschland hat Erfahrung mit dem geordneten Ausstieg aus Energietechnologien. Der Unterschied ist: Beim Biogas braucht es nicht einmal einen aktiven Ausstiegsbeschluss. Es reicht, die bestehende Befristung der Förderung zu respektieren. Keine neuen Gesetze, keine Entschädigungen, keine Kommissionen. Einfach das tun, was von Anfang an vorgesehen war.

Was zu tun ist

Der Ausstieg erfordert keine harten Einschnitte. Es genügt, drei Dinge zu unterlassen: keine Anschlussförderung beschließen, keine Ausnahmen schaffen, keine Sonderprogramme auflegen. Die Anlagen laufen aus, die Betreiber stellen um, die Flächen werden frei. Kommunen, die heute von Biogas-Abwärme abhängen, sollten rechtzeitig alternative Wärmekonzepte entwickeln – aber das müssen sie im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung ohnehin tun. Der Biogas-Ausstieg ist kein Kraftakt. Er ist das Einfachste, was die Energiepolitik gerade tun kann: nichts.